Trump, die Linke und das postfaktische Zeitalter

Zuletzt hat sich in der kollektiven Irrfahrt um Donald Trump und den überschwänglichen Analysen der Begriff des „post-faktischen Zeitalters“ festgesetzt. Wenn nicht große Teile der Linken umdenken beginnen und nichts an ihrer Fremdwahrnehmung ändern versuchen, wird es sie bald gar nicht mehr geben. Trump zwingt uns umzudenken, global.

Wir leben nicht im „post-faktischen Zeitalter“. In der Politik wurde immer schon gelogen bis sich die Balken biegen. Und mehr noch als Lügen aufgetischt werden, herrscht Verlogenheit. Das ist etwas anderes als Lügen. Es ist das rhetorische Spiel mit der Halbwahrheit. Die Halbwahrheit ist leichter als Wahrheit darzustellen, als die Wahrheit selbst. Die Wahrheit wird nicht durch die Lüge verzerrt, sondern durch die Verlogenheit, Scheinheiligkeit der herrschenden Politik, an die ihre VertreterInnen zum Großteil selbst glauben. Die permanente mediale und akademische Produktion einer verzerrten Wahrnehmung unserer Wirklichkeit kommt noch hinzu. Und so ist die Bezeichnung „postfaktisches Zeitalter“ selbst eine Verzerrung der Wirklichkeit. Denn Politik war immer verlogen genug und verzerrend um für sich die Zustimmung in den Köpfen zu erzeugen. Das trifft nicht nur die Massen, sondern auch Intellektuelle, wie die Metapher vom sogenannten „Fahrstuhleffekt“ von Ulrich Beck zeigt. Fakten hatten indes so wie es die Kognitionsforschung (Elisabeth Wehling, Georg Lakoff) zeigt, noch nie einen Effekt, solange sie nicht Werte ansprechen oder sich mit ihnen verknüpfen lassen. Lassen sie sich nicht verknüpfen, bleiben die Menschen ihnen gleichgültig gegenüber.

Vielmehr herrscht Klassenkampf von Oben und die extreme Rechte spaltet in den sehr harmlosen Widerstand hinein oder nimmt jede Regung als konservative Revolte selbst schon vorneweg. In der Linken herrscht Depolitisierung. Solange sie ausschließlich bzw. vorherrschend Identitäts- und Befindlichkeitspolitik anhand von Sexualität, Geschlecht und Ethnizität macht, wird sich daran nichts ändern und sie Teil der Verzerrung der Wirklichkeit bleiben. Dann wird sie irgendwann aus der Geschichte verschwinden. Die Mehrheit der Linken ist von einem Hauptwiderspruchs-Denken (Arbeit, Kapital, Klasse, Kollektivismus) zu einem Nebenwiderspruchs-Denken (Identität, Umwelt, Individualisimus) übergegangen. Beides ist falsch in dieser Absolutheit. Es gilt die Beziehung herzustellen. Und zwar sehr praktisch.

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Solidarität mit Volker Beck – Gegen die Scheinheiligkeit

Was geht  es uns an, was der deutsche Grüne Volker Beck privat konsumiert und dabei niemanden einen Schaden zufügt. Jemand, der für die Liberalisierung von Drogen steht, hat oh wunder einmal Drogen konsumiert (oder sogar nur mit sich geführt). Nicht, dass man das abfeiern sollte, aber doch etwas beruhigter sehen, denn alles andere ist Scheinheiligkeit.