Wahlbeteiligung: Licht und Schatten, Kritik und falsche Kritik.

Es muss tiefer gegraben werden. Aber zuerst: Ich freue mich sehr über das Ergebnis der Wahlwiederholung im 2. Wiener Bezirk. Danke an alle, die das möglich gemacht haben  und Gratulation an Uschi Lichtenegger. Danke an die Jungen Grünen Wien und  im 2. für euren Einsatz.

Nichts desto weniger muss man auch ein bisschen tiefer schürfen. Das hat wenig mit den AkteurInnen vor Ort im 2. zu tun. Die niedrige Wahlbeteiligung ist ein Thema, dass verschiedene Begründungen benötigt. Eine ist, dass die Bezirkswahl nicht gleichzeitig mit der Landtagswahl stattgefunden hat und Bezirksvertretungen oft von WählerInnen nur mitgewählt werden (es sei denn es gibt ein entscheidendes Thema, siehe Währing, wo die Grünen durch den Kampf fürs Parkpickerl erfolgreich waren) und die mediale Konzentration geringer ist (wie bei ÖH-Wahlen). Ein andere Erklärung ist, dass es bei Neuwahlen und Wahlwiederholungen oft das Interesse generell niedriger ist, weil die Dynamik fehlt. Der dritten Erklärung soll mehr Raum gegeben werden.

Politik so wie sie derzeit stattfindet, interessiert die meisten Menschen einfach nicht mehr, es gibt subjektiv für viele keinen Grund wählen zu gehen und wenn dann oft nur aus schlechtem Gewissen, denn es wird an ihnen vorbeigeredet, entweder rassistisch (FPÖ), oder verbindend und soziale Konflikte ignorierend (Grüne), oder extrem systemerhaltend, klientelistisch und am Eigeninteresse orientiert (SPÖ, ÖVP).

 Im Vergleich zur aufgehobenen Wahl 2015 haben 2016 die Grünen 88% der auf sie entfallenen absoluten Stimmen gehalten, die FPÖ 56% und die SPÖ gerade einmal 39% (Anmerkung das ist keine Behalterate, weil hier WechselwählerInnen nicht einberechnet sind). In Absoluten Zahlen (in Klammer 2015) bedeutet das für die Grünen: 8839 (10031), für die FPÖ: 5619 (10010) und für die SPÖ 7017 (17749). Das heißt, trotz hohem prozentuellen Zuwächsen haben die Grünen Stimmen verloren, aber es geschafft am wenigsten im Vergleich zu den anderen Parteien zu verlieren. Selbstverständlich sind auch das Werben um WechselwählerInnen wichtig, doch mittlerweile ist vielen im politischen Betrieb und den Schalthebeln bewusst, dass es um die Mobilisierung der SympathisantInnen unter Nicht-WählerInnen und das Halten der eigenen WählerInnen geht.

Dabei haben links-liberale Parteien einen Vorteil. Erstens, weil ihre WählerInnen das Wählengehen als Bürgerpflicht auffassen und mehr Vertrauen in das demokratische System haben. Zweitens, weil die Verschwörungstheorien der FPÖ und ihrer Filterblase das Vertrauen in Demokratie schwächen, was zwar langfristig gefährlich ist, aber kurzfristig auf sie zurückfällt, weil es demobilisierend wirkt. Ohne Zahlen zu kennen: Die SPÖ hat nur ein großes sekundäres Problem mit dem Wechsel der eigenen Klientel zur FPÖ. Ihr primäres Problem (mag es eventuell in absoluten Zahlen auch geringer sein) ist der Wechsel ihrer WählerInnen in die NichtwählerInnenschaft oder die Bewegung von der SPÖ zu NichtwählerInnen und von NichtwählerInnen zur FPÖ über längere Zeiträume. Dass es keine umfassende Thematisierung und Erforschung der NichtwählerInnen gibt, spricht Bände über das politische System. Denn mehr als Phrasendrescherei, was moralisch verwerflich am Nichtwählen sei, hat kaum einE VertreterIn von Parteien und Medien im Sinn.

Hier sei in Bezug auf die sogenannte „Postpolitik“ (Politik als Schein, in der Politik nicht als Interessensgegensatz verstanden wird, sondern durch technische Lösungen, vorgeblich vernünftige ersetzt wird) auch in Richtung von Linken im grünen Umfeld oder auch manchen Liberalen eine Kritik formuliert. Die herrschende Politik ist nicht nur rein Show, insofern es nachwievor um Macht, Herrschaft und Gewalt geht. Doch die Beziehung zwischen WählerInnen und Politik ist eine depolitisierende Show und das ist Teil der Machtbeziehung. Ob Grün oder Blau an der Macht ist, macht egal auf welcher Ebene einen Unterschied und der Kampf gegen Rechtextremismus endet zwar dort nicht, aber ist auch in Wahlauseinandersetzungen notwendig. Klar hat in der Zuspitzung von Grün-Blau die inhaltliche Substanz gelitten. Dennoch ist es für sich genommen nicht unpolitisch und inhaltlos damit in eine Auseinandersetzung zu gehen. Jedoch perlt auch der Einwand ab, dass ja eh auch anderen Themen im Wahlkampf präsent waren. Die Frage stellt sich für wen und wie intensiv?

Der Unterschied in der Kritik ist, welchen zeitlichen und historischen Handlungshorizont man für die eigene Kritik und die darauf folgende politische Praxis festmacht. Festzustellen ist, dass die postpolitische Mobilisierungen eine zynische Show ist, in der Menschen zu Objekten des Politikmarketings gemacht werden und nicht als Individuen mit bestimmten sozialen Interessen behandelt werden. Das impliziert nicht nur rationales Interesse geleitetes Handeln sondern auch irrationales, wie Rassismus oder Antisemitismus, was man weder als Protest abtun darf, noch lapidar mit „Sorgen ernst nehmen“ deklassieren. Ein Rassist oder eine Rassistin ist das, weil er oder sie entsprechende Vorstellung hat. Manche mehr und manche weniger. Doch soziale Interessen und menschenfeindliche Vorstellungen existieren im Menschen nebeneinander. Dabei kommt es darauf an wie stark oder schwach, kurz-, mittel- oder langfristig diese Vorstellungen angesprochen und aktiviert werden, wieviel Raum sie haben, wer die Debatte wie „framed“, mit welchen kulturellen Codes sie in Verbindung stehen („Tabus“) und wie diese Seiten in Beziehung gesetzt werden, ob das eigenen Interesse, das auch unmittelbar mit der eigenen sozialen Schwäche zusammenhängt, aus dem bewussten Denken verdrängt wird oder nicht.
Doch die Kritik an derartigen Entwicklungen ist oftmals selbst unpolitisch und moralisierend, weil dabei die medialen Realität der Vergangenheit, Partei- und Grundsatzprogramme, die niemand liest und auch niemand lesen wird nur weil man an die Vernunft appelliert und bestimmte Aktionsformen romantisiert werden. Das ist strukturkonservativ. In der Auseinandersetzung mit der Postpolitik geht es nicht darum, die Instanz „wahrer“ und richtiger Praxis zu sein und sich zu Gralsrittern zu erheben, sondern die Frage zu stellen, in welche politischen Konflikte man mit wem und welchen Themen langfristig und organisiert eintritt. Und taktische Fragen (wie Wahlkämpfe) erst nach derartigen strategische Fragen stellt und dabei taktisch erst lernt.   Insofern ist die moralisierende Kritik an den Grünen wegen der Zuspitzung von Blau-Grün verkürzt. – Was auch nicht bedeuten soll, dass die Grünen aus dem Status Quo von Politik nicht langfristig gedacht ausbrechen sollten.

Wie Medien und Öffentlichkeit (d. h. Medienunternehmen, Politikberatung, Think Tanks etc.) funktionieren ist keine äußere Determinante von Politik sondern Resulat von Ideologien (Neoliberalismus) und ökonomischer Verhältnissen (Arbeitsbedingungen, Verteilung etc.) und können sich daher ändern.

Das heißt worum es ginge, wäre langfristige, kleinteilige Zuspitzung in ausgewählten Themenbereichen, Grundlagenarbeit über Jahre hinweg, Aufbau oder Verdichtung von lokalen Strukturen in denen AktivistInnen und Menschen ernst genommen werden. Dann verändert sich auch der Möglichkeitsraum politischen Handelns.Gesellschaftliche Veränderungen erscheinen uns immer wie Meilensteine in der Geschichte, schlagartig treten sie auf. Doch der wahre Kern dessen ist, das nicht hinter jeder Volte, eine Revolte steckt, sondern dass Menschen oft Jahre lang auf politische Zuspitzungen die entscheidende Veränderungen bedeuten, ohne die tägliche historische Gewissheit, dass es je zu so einer kommen wird, hinarbeiten.

Die Grünen haben den kurzfristigen Handlungspielraum genutzt, auf die Karte Grün gegen Blau gesetzt und das zum wahlentscheidenden Thema gemacht. Ob das Brillanz oder Zufall war, sei dahingestellt. Die Präsidentschaftswahlen haben dem zwar Aufwind gegeben, doch vor allem wurde klug ehrenamtliche und professionelle Ressourcen im Bezirk gebündelt und das hat sich bezahlt gemacht. Und den Ehrenamtlichen (zum Beispiel den Jungen Grünen Wien und Grüne im Bezirk) gehört einfach gedankt. Denn auch das ist etwas, was sich grundlegend an Politik ändern muss. Danke!


Solidarität mit Volker Beck – Gegen die Scheinheiligkeit

Was geht  es uns an, was der deutsche Grüne Volker Beck privat konsumiert und dabei niemanden einen Schaden zufügt. Jemand, der für die Liberalisierung von Drogen steht, hat oh wunder einmal Drogen konsumiert (oder sogar nur mit sich geführt). Nicht, dass man das abfeiern sollte, aber doch etwas beruhigter sehen, denn alles andere ist Scheinheiligkeit.

Wenn Liberalismus zum leeren Kampfbegriff wird – Kommentar der Anderen

*Dieser Artikel erschien im Standard und OnlineStandard als „Kommentar der Anderen“ am 26.11.2015

Nach dem 11. September herrschte in Frankreich noch ein Konsens gegen die Einschneidung bürgerlicher Freiheiten. Nun tappt man in Europa in ähnliche Fallen und vergisst darüber, sich mit den eigenen demokratischen Defiziten auseinanderzusetzen.

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Beobachtungen der österreichischen Wahlbeobachtungs-Delegation zur Parlamentswahl in der Türkei

Vergangenes Wochenende war ich als Wahlbeobachter in der Ost-Türkei in der Region Bitlis. Hier die kurze Aussendung zu den Beobachtungen der österreichischen Wahlbeobachtungs-Delegation zur Parlamentswahl in der Türkei:

Dutzende Delegationen aus unterschiedlichen Ländern waren zur Beobachtung der Parlamentswahlen in die Türkei gekommen und verteilten sich über mehrere Städte und Dörfer, schwerpunktmäßig im Südosten des Landes.

Unsere Delegation war auf Einladung der HDP International in die Provinz Bitlis gereist, um den Wahlablauf zu beobachten und Vorfälle zu protokollieren. Wir erreichten die Stadt Tatvan einen Tag vor den Wahlen und fanden so noch genügend Zeit, mit Bewohner_innen der Stadt zu sprechen. Sie berichteten von einem äußerst gefährlichen Wahlkampf, wobei allein in Tatvan in den Tagen zuvor zwei Menschen ums Leben gekommen waren. Aus den Gesprächen ging hervor, dass vor allem der Wahlkampf der HDP (Demokratische Partei der Völker) sehr massiv behindert wurde und die HDP von einem regulären Wahlkampf abgehalten worden war. Potenzielle HDP-WählerInnen seien schon Tage und Wochen vor den Wahlen von der Exekutive und vom Militär massiv eingeschüchtert und unter Druck gesetzt worden.

Auch am Wahltag selbst war eine massiv einschüchternde Polizei- und Militärpräsenz zu beobachten. In den Dörfern waren vor allem Soldaten (teilweise unter Einsatz von Panzern) unterstützt von sogenannten Dorfschützern (bezahlte Paramilitärs) zugegen, die sowohl in den Wahllokalen (im nächsten Umfeld der Wahlrunen und damit näher als die gesetzlich erlaubten 15 Meter) als auch außerhalb Präsenz zeigten. In Bitlis so wie auch im Zentrum des Landkreises Güroymak patroullierten Polizeibeamte nicht nur vor sondern auch in den Wahllokalen. In manchen Dörfern wurden Wahlberechtigte sogar an der Stimmabgabe gehindert. Auffällig war, dass vor allem in Dörfern, in denen die HDP bei den letzten Wahlen im Juni 2015 einen hohen Stimmenanteil verzeichnet hatte, eine starke Militärpräsenz herrschte.

Auf der anderen Seite wiesen weder unsere Gespräche mit den BewohnerInnen noch unsere Beobachtungen auf eine Bedrohung durch PKK-KämpferInnen hin.

Rückfragen: Mag. Jean Kepez


Wahlhilfe für Rechtsextreme: Der SPÖ-Mythos vom Duell um Wien

Die Duell-um-Wien-Logik der SPÖ stärkt die rechtsextreme FPÖ und wirkt für diese mobilisierend. Die SPÖ, im Bestreben deutlich Erster zu werden, verhilft den Rechtsextremen zu neuen Höhen, anstatt eine durchaus hitzige Debatte mit Grünen, ÖVP, Neos oder sogar Wien Andas zu führen. Diese Wahlhilfe bloß auf Medien zu schieben, ist im Angesicht der Verfilzung zwischen Politik und Medien ein Wegweisen der Verantwortung. Den Rest des Beitrags lesen »


Zur Kritik am Nichtwählen!

Was das Fass neben der rassistischen Propaganda der FPÖ zum überlaufen bringt, ist die moralisierende NichtwählerInnen-Kritik kurz vor einer Wahl. Die Realität ist, bei den meisten Parteien geschieht der größte Stimmenaustausch zwischen NichtwählerInnen und ihnen und nicht unter den Parteien. Überhaupt gibt es genau zwei relevante Formen des Stimmenaustausches derzeit. 1. Von der Sozialdemokratie zu Rechtsextremen Parteien und 2. eben zwischen Parteien und NichtwählerInnen. Kampagnen sind heute mehr als früher Mobilisierungswahlen, die Menschen dazu zu bewegen, überhaupt wählen zu gehen.

Nichtwählen kann man nicht gut heißen, jemanden deswegen zu verurteilen ist aber falsch. Phrasendrescherei, wie Demokratie wäre blutig erkämpft worden und sei daher ein wichtiges Bürgerrecht, sind blutleeres Geschwafel. Ja, richtig, aber was macht ihr damit, müsste die Frage umgekehrt lauten. Wer hat denn Demokratie für alle StaatsbürgerInnen unabhängig von Stand, Einkommen und Geschlecht erkämpft? Die Linke und die Arbeiterbewegung! Wer kann es denn jenen sozialen Gruppen gegen deren Interessen durch eine Politik deren Priorität Sozialkürzungen sind nicht berücksichtigt werden und als sozial Schwache somit repressiv in soziale Isolation getrieben werden,  verübeln, wenn sie kein Bedürfnis danach haben jenen eine Stimme zu geben, die sie in diese Position getrieben haben. Diese Apathie rettet niemanden, aber wieso soll man jemanden wählen, der sich selbst als schärfsten Kritiker plakatiert (Voves, steirische Landtagswahl 2015), weil sie auch noch angeblich die weiseste aller Kritiken für sich gepachtet haben.

Was hilft es jenen, wenn der Korruptionsskandal X aufgeklärt wurde, wo sie doch schon vorher gewusst haben das PolitikerInnen korrupt sind, nämlich nicht im rechtlichen Sinne, aber im Sinne von Privelegienrittern. Korruptionsaufklärung macht noch kein gutes Leben, wenn sie nicht als Teil einer sozialpolitischen Auseinandersetzung geführt wird und das wird sie nicht. Was hilft es Menschen wenn bloße Phrasen irgendwo wie „Reform“ oder „Impuls“ plakatiert werden, wenn Reform heute ein Drohung dafür ist, dass es ihnen bald noch schlechter gehen wird.

Die parlamentarische Demokratie ist in der Krise und darüber freuen sich insgeheim besonders die Rechten, selbst wenn sie das größte Problem mit NichtwählerInnen haben. Dennoch profitieren sie am meisten durch den Zerfall einer sozialen Demokratie, die auch die Sozialdemokratie repräsentiert hat, wenn sie auch nicht perfekt war und sein kann, so hat sie doch eine Grundlage für etwas, das sie erweitern hätte können, gebildet. Der Zerfall dessen wirft in Kombination mit Krise, tief verwurzelten Ressentiments, reaktionären Erklärungen der Welt und Autoritarismus überhaupt erst die Möglichkeit nach rechts auf. Der Kampf für Demokratie war vielen Linken verschiedenster Strömungen keine Anliegen um sich auf dieser auszuruhen, sondern Menschen im Sinne einer sozialen Demokratie überhaupt erst Teilhabe und Teilnahme an politischen Prozessen zu ermöglichen um das Kommando Gemeingüter, über Produktion, gesellschaftliche Institutionen übernehmen zu können. Das heißt: eine Erweiterung der liberalen Demokratie.

Von den meisten, die gegen das Nichtwählen moralisieren, hört man nie etwas zu MigrantInnenwahlrecht, dabei ist das der große Skandal in der heutigen Demokratie Die meisten MigrantInnen sind in dieser Gesellschaft jene, die zu den sozial Schwächsten gehören und von demokratischen Prozessen fast gänzlich ausgeschlossen werden. In vielen Städten würden sie mehr als 20% der Stimmen ausmachen. Oft liest man in Medienkommentaren Beschwerden über ihr Interesse an der Politik ihres Heimatlandes, verhindert aber demokratische Teilhabe in Österreich.

Nichtwählen ist keine Option, doch das Kreuz auf dem Wahlzettel, dass eine Partei in eine Parlament oder in die Landesregierung befördert, die eigentlich nicht einmal alle 5 Jahre in der Lage ist zu kommunizieren wofür sie stünde, dann soll einmal jemand erklären, wie ein Mensch, der sich unregelmäßig bis gar nicht viel mit Politik beschäftigen kann oder möchte zur Wahl gehen wird. Traurig aber besser ist es immer noch etwas zu versprechen was man vielleicht nicht halten kann, als gar nicht mehr den Versuch zu machen für etwas zu stehen. Wenn Kampagnen dazu verkommen, dass die Wahl die sie suggerieren nur mehr eine Frage des Geschmacks sind, ob man Erdbeer, Stracciatella, oder Bio-Fruchjoghurt lieber hat, dann ist halt der braune Pudding für manche leider noch attraktiver, weil es anders zu sein scheint. Es ist ein falsches Anderes, es ist freilich Pseudorebellion, ohne die Konsequenz dass es für einen besser wird. Auch das Nichtwählen macht die Dinge nicht besser, aber wenn die erhaben Bildungsbürger mit dem strafenden Blick und erhobenen Zeigefinger den vermeintlichen „Dummen“ zeigen, dass sie den Wert von Demokratie nicht verstanden hätten, deren Wert für sie schon lange verloren gegangen ist, weil für sie die Wahl schon entschieden scheint, dann läuft etwas verdammt falsch.

Für Demokratie zu Kämpfen hieße vor allem Menschen an politischen Prozessen zu beteiligen, sie zu organisieren und Teil von einem Anliegen zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben, für ihre Interessen einzustehen, ihnen dabei aber nicht nach dem Mund zu reden.  Dann ist das Kreuzerl eher ein Endpunkt von Demokratie und nicht erst ein so wie viele suggerieren, der Auftrag der BürgerInnen sich 5 Jahre wieder um etwas zu kümmern, was schon lange nicht mehr im Interesse der Mehrheit, also arbeitenden, arbeitslosen, lernenden oder lehrenden, nicht-privilegierten oder relativ privilegierten Menschen ist, ob sie das nun als solches erkennen oder verkennen.


Lech Wałęsa in Graz- Fragwürdige Einladungspolitik der Stadt Graz rund um die Befreiung vom Nationalsozialismus

Kann mir wer erklären warum der Begründer von Solidarność, Lech Wałęsa zu 70. Jahre nach Kriegende – also Befreiung vom Nationalsozialismus – nach Graz auf Einladung der Stadtregierung kommt um eine Rede zu halten. Was hat dieser homophobe Reaktionär, der „Homosexuelle hinter Mauern verbanden will“, eigentlich mit unserer Befreiung vom Nationalsozialismus zu tun? Warum schafft es die Spitze der Stadt Graz nicht anderweitig den Tag der Befreiung zu thematisieren oder sich hinter die Bedeutung des Tages zu stellen? Sollte die Stadt Graz nicht einfach offiziell den Alliierten danken und die Befreier feiern? Warum lässt man die wenigen noch lebenden WiderstandkämpferInnen und Opfer des NS-Regimes nicht einfach zum Beispiel durch eine Großveranstaltung am Hauptplatz zu Wort kommen?

Für die Veranstaltung wird angeblich 25.000 Euro an die „Menschenrechtsstiftung“ von Wałęsa gezahlt. Das hat man Anfangs nicht dazu gesagt, warum? War es ursprünglich geplant ihm das als Rednerhonorar zu zahlen? Und warum wendet die sogenannte Menschenrechtsstadt dieses Geld nicht für naheliegendere Menschenrechtsprojekte auf, wie zum Beispiel syrische Flüchtlinge in Graz zu unterstützen bzw. Schutz zu gewähren oder das in Gedenkpolitik zu investieren? Wie war das nochmal mit den Gedenktafeln der Stadt Graz, die abmontiert wurden?