Abschieben oder Einbürgern? – Gegen die „Hegemonie der Abstiegsangst“

Laut Krone hat die Regierung einen „Geheimplan“ geschmiedet 50.000 Flüchtlinge bis 2019 abzuschieben. Inzwischen berichten auch andere Tageszeitungen. Es könnte aber auch anders laufen. Man könnte ja auch Menschen nach so einer Zeit schlagartig einbürgern. Das heißt, wir müssen ihnen eine Option auf Staatsbürgerschaft geben. Das kann ja ein Integrationsanreiz (mit gewissen Auflagen) sein. Dazu müssen aber ein paar andere Fragen zuvor diskutiert werden.

Hoffnung auf ein besseres Leben

Die Hoffnung auf ein besseres Leben kann ganz schön viel mit Menschen machen: Mittelmeer bei knapp Null Grad, Wind und Schlechtwetter überqueren, Nato-Draht überwinden, Hunderte Kilometer mit einem Säugling im Arm durch menschenfeindliche Länder zu Fuß laufen, Menschen- und Organhändlern ausweichen und vieles mehr. Warum also nicht auch Integration?
Abschiebungen bis 2019 Krone
In unseren Landen fehlt eines und das gilt auch für die ansässige Bevölkerung: Hoffnung! – Die Politik hat die Zukunft abgeschafft. Das ist ein Metapher die ich oft verwende. Was meine ich damit? Den Ausblick auf eine hoffnungsvolle Zukunft zu haben, bietet einem Menschen die beste Option sich selbst zu verändern und solidarisch zu anderen zu sein, sie nicht einzukapseln sondern gemeinsam an einer Zukunft bauen. Umgekehrt vernichtet die Politik eben jede Hoffnung, in dem sie Menschen permanent Steine in den Weg legt, unüberwindbare bürokratische Barrieren in den Weg legt und mittelalterliches Ständedenken vertritt. Flüchltinge, hoffnungsvoll angekommen, holt eine noch härtere Realität als die für die ansässige Bevölkerung bereits gilt ein. Sie werden hier keine anhaltende Perspektive auf ein besseres Leben haben. Deutsch lernen, wozu, man soll in drei Jahren abgeschoben werden. Und da ist noch gar nicht von Jobs und Ausbildung die Rede.

Gegen leere Versprechen

Zukunft zu haben, das darf kein leeres Versprechen „vom Tellerwäscher zum Millionär“ sein, sondern schlichtweg die realistische Vorstellung auf ein besseres Leben. Die Politik umgekehrt tötet tagtäglich diese Hoffnung ab, sie betreibt eine Sozialneid-Debatte und schlägt die Kürzung der Mindestsicherung vor. Sie kürzt seit Jahren an Sozialleistungen herum, an Familienbeihilfe, Wohnbeihilfe, Behindertenhilfe, schikaniert Arbeitslose und für die, die schon lange die Hoffnung auf einen Job aufgegeben haben, hat sie gar nicht angefangen nachzudenken, wie man deren Leben verbessern kann. Jenen, die noch etwas haben und in noch halbwegs stabilen Verhältnissen leben setzt man die „Hegemonie der Abstiegsangst“, wie das Michel Reimon formuliert, in den Kopf.

Wider die Kürzungspolitik

Während man Lehrlinge Prüfungsgeld zahlen lässt, viele überhaupt keine Lehrstelle erst bekommen, Menschen, die kaum etwas Erben, noch durch einen Pflegeregress um Einkommen und Erbe kommen ließ, Studierenden Studiengebühren abverlangt, weniger Wohnbeihilfe zukommen lässt und nach ihrem Studium in eine 5-10 Jährige instabile Erwerbsbiopgraphie von unsicheren Teilzeitjobs, Praktika, befristeten Projektjobs mehreren geringfügigen Beschäftigungen gleichzeitig entlässt, die Merheit der Frauen nie über Teilzeit kommen und Männer 10-20 Überstunden pro Woche arbeiten lässt, während die Arbeitslosigkeit eien Rekordhöhe erreicht hat, versenkt man Milliarden in einer Bankenpleite. Weitere Bankpleiten in Europa und in Österreich drohen bereits wie ein Damoklesschwert.

Die Verachtung der Armen und der Hass auf das Andere

Aus Flüchtlingen will man sozial eine „Lumpenproletariat“ machen, um es dann abwertend so zu bezeichnen. Wer nicht spurt oder nicht spuren kann, Flüchtling oder StaatsbürgerIn, wird in die Kategorie „soziale Hängematte“ gesteckt. Zuerst schickt man die Menschen ins Elend und dann schikaniert man sie für ihre Armut. Ihre „Lumpen“ (zeitgemäß gedacht) werden zu ihrer aufoktroyierten „Klassenkultur“ und dem Symbol ihrer Erniedrigung. Die Verachtung der Armen und der Hass auf das Andere, das Fremde, verschmelzen. MigrantInnen werden zur neuen Unterschicht und in Konkurrenz zu jenen gestellt, deren Angst vor Abstieg über die letzten Dreißig Jahre zugespitzt wurde.

„Willkommenskultur“ mit „Leitkultur“

Die Perspektive auf Einbürgerung ist kein Passierschein, frei nach der Formel hereinspaziert in die „Willkommenskultur“, sondern vom Pragmatisimus geleitet, kulturelle und soziale Brennpunkte zu verhindern. Denn dann ist unser geringstes Problem eine Mini-Rechtsextreme Szene, die ein Problem damit hat, dass nun nicht nur Döner-Läden das Stadtbild mitzeichnen, sondern auch syrische, persische und afghanische Restaurants, deren MitarbeiterInnen und BesitzerInnen um bessere Löhne streiten und sich nicht im Kulturkampf innerhalb der Gesellschaft befinden. Eine „Willkommenskultur“ soll eine „Leitkultur“ haben, nur hat diese nichts mit der Herkunft der Menschen, der absurden Vorstellung eines christlichen Abendlandes und dem Geruch des Essens zu tun, sondern mit Freiheit, Gleichheit und Solidarität aus denen Demokratie, Rechtsstaat und soziale Gerechtigkeit folgen. Und diese Grundwerte gilt es gegen alle hier wie dort zu verteidigen und ausbauen!

Soziale Frage?

Es geht also darum breiten Bevölkerungsschichten zu vermitteln, dass es nicht darum geht, Flüchtlingen alles in den Rachen zu stopfen (denn das passiert sowieso nicht), sondern dass es darum geht auch für sie selbst soziale Rechte, ökonomische Sicherheit und damit soziale Gerechtigkeit herzustellen. Das heißt aber auch, dass wir als Linke aufhören müssen den Rassismus der Rechten einfach mit Antirassismus zu spiegeln und uns über jede einzelne rassistische Eskapade zu echauffieren, auf Facebook meinen mit Screenshots dem angeblichen Pöbel, der hetzt, aufzuspüren und zu zeigen wie verkommen die österreichische Gesellschaft denn ist. Das haben uns Thomas Bernhard und die unzähligen Altnazis schon zur genüge vorgeführt. Wir müssen uns in unsere Annahme nicht selbst bestätigen, bloß um zu zeigen, dass es ein anderes Österreich gibt. Es wäre aber an der Zeit es nicht nur zu zeigen, sondern zu machen. Im bloßen Unterscheiden wollen, steckt die Arroganz des Bildungsbürgertums besser zu sein.
Die Situation von Flüchtlingen muss man genauso als soziale Frage und so sehr uns das wichtig ist, nicht nur als Menschenrechtsfrage behandeln. Die Antwort auf die soziale Frage bei Flüchtlingen ist die Perspektive auf Staatsbürgerschaft. Die soziale Frage für die bereits eingesessen Bevölkerung ist: höhere Löhne, Mindestlohn, Bildung und Schluss mit der Kürzungspolitik. Diskutieren wir einfach an Schießbefehl und Obergrenze vorbei und reagieren nicht nur bloß aus sie. Die Debatte werden wir anhand der Frage von sozialer Gerechtigkeit gewinnen und nicht anhand von Rassismus gegen Anti-Rassismus.
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Wahlhilfe für Rechtsextreme: Der SPÖ-Mythos vom Duell um Wien

Die Duell-um-Wien-Logik der SPÖ stärkt die rechtsextreme FPÖ und wirkt für diese mobilisierend. Die SPÖ, im Bestreben deutlich Erster zu werden, verhilft den Rechtsextremen zu neuen Höhen, anstatt eine durchaus hitzige Debatte mit Grünen, ÖVP, Neos oder sogar Wien Andas zu führen. Diese Wahlhilfe bloß auf Medien zu schieben, ist im Angesicht der Verfilzung zwischen Politik und Medien ein Wegweisen der Verantwortung. Den Rest des Beitrags lesen »


Europa im Jihad

Paris Regierungsgedenken

Da marschieren sie. Was Orban mit Pressefreiheit zu tun hat? Das Gesetz in Spanien, dass die Demonstrationsfreiheit einschränkt? Davutolu, dessen Regierung JournalistInnen massenhaft ins Gefängnis wirft? Die Debatte in Deutschland das Streikrecht einzuschränken? Die allerorts zunehmende staatliche Polizeirepression gegen soziale Proteste? Europas Regierungen sind HeuchlerInnen. Diese konservativen Eliten scheren sich einen Dreck um irgendwelche Freiheiten, sowohl im formellen rechtlichen Sinne, als auch im sozialen Sinne, also dass eine soziale Teilhabe den Menschen überhaupt erst ein Sprachrohr geben kann, die Teilnahme an den Freiheiten, die Verfassungen, Menschenrechte etc. formal verbuchen. Aber sie sind bloß konservative Kulturkämpfer, die mal ein bisschen nach liberal ausschlagen, weil sie die extreme Rechte fürchten. Auch wenn das besser und jetzt richtig ist, sich nicht auf die Kulturkampfrhetorik der extremen Rechten einzulassen, früher oder später werden sie es ja dann doch tun und den Abkürzungsjihadisten alias Pediga und ihren parteipolitischen FreundInnen wieder nach dem Mund reden. Sie trampeln dabei auf den Toten der Attentate mit solch einer Heuchelei herum, sind sie doch ideale Propaganda, ihrer Meinung nach, wie unlängst ein Vertreter der AfD bei einer Rede zu Protokoll gab, auf so einen Anschlag gehofft zu haben.

Es ist keine Solidarität, wenn die höchsten RepräsentantInnen staatlicher Repression gegenüber Freiheiten sich so inszenieren und noch dazu ein Pressebild in die Welt setzen als würden sie denn Millionen Menschen vorangehen. Die größten Waffenschieber der Welt haben auch kein übergeordnetes Interessen, dem barbarischen Jihadismus wirklich etwas entgegenzusetzen. Dieser bietet ehestens die Möglichkeit sich weiter abzugrenzen und so zu tun als wären Freiheit und Gleichheit europäische Werte, nur weil sie hier aufgekommen sind und nicht grundmenschliche universelle Werte. Zu Fragen wäre, welcher ideologische Zusammenhang zwischen sozialer Frage, den Verlierern von Modernisierung in Verbindung mit autoritären Charakterzügen besteht. Jedenfalls gilt, das Individuum als Täter nicht freizusprechen, und dem  „Westen“, Amerika, dem „Imperialismus“, der kolonialen Politik oder kritischer formuliert den gesellschaftlichen Verhältnisse die Schuld zu übertragen. Als wäre alles vordefiniert. Zu Fragen wäre, wie Freiheit und Barbarei in einer globalisierten Welt geographisch zwar unterschiedlich verteilt sind, aber sozial, ökonomisch und politisch zusammenhängen.

Aber diese Fragen stellen sich diese Regierungen nicht, denn sie sind es, für die nur das Interesse zählt, das Interesse des Machterhalts, und die Durchsetzung ökonomisch-ideologisch unterfütterter Interessen, sei es in Form von Stabilisierung oder Destabilisierung, oder beidem gleichzeitig. – Was letztlich die Komplexität von Machtverhältnissen und Fraktionen innerhalb dieser aufzeigt und man es sich in der Kritik daran z. B. mit plumpen Anti-Amerikanismus oder Kritik am „Euro-Zentrismus“ nicht leicht machen sollte. Ja die Herrschenden sind interessensgeleitet, aber ihre Interessen sind höchst widersprüchlich und selbst Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Es macht es nicht einfacher, dass solche Interessen von mal zu mal Vehikel für Kämpfe gegen Repression und für Freiheiten werden können. Oder ist es etwa falsch, Kurden mit Waffen zu beliefern und Stellungen des IS zu bombardieren? Umgekehrt muss uns bewusst sein, dass wenn sich das Blatt manches mal gegen die Barbarei, sei sie in Form des Jihadismus oder des Faschismus, wendet, so etwas nie ein funktionsfähiges und dauerhaftes Bündnis ist und nur zeitweilig sein kann, weil Interessen kommen und gehen. Je schwächer eine internationale Linke ist, und auszugehen ist, dass sie nicht (mehr) international ist (und schwach sowieso), man sich umso mehr in dem Widerspruch befindet zwischen Skylla und Charybdis durchzumanövrieren.

Im Zweifel gilt, sich für die liberale Demokratie zu entscheiden! Dann aber für #JeSuisCharlie und nicht für Merkel, Holland, Orban und Konsorten. Max Horkheimer hat einmal geschrieben, wer über den Kapitalismus nicht reden will, soll über den Faschismus schweigen. Slavoj Zizek hat das unlängst in einem Artikel darum ergänzt, wer über die liberale Demokratie nicht reden will soll über den Jihadismus schweigen. Wir müssen über beides sprechen! Wir müssen darüber sprechen, dass die demokratischen Institutionen so verengt sind, dass Menschen nicht an ihnen Teilhaben können. Wir müssen darüber sprechen, dass Sozialkürzungen alias Austeritätspolitik und kulturelle Ausgrenzung Teilhabe an demokratische Institutionen und damit Teilhabe an verfassungsmäßigen „Willens“gemeinschaften verunmöglicht. Wir müssen darüber sprechen, dass Menschen, die autoritär zugerichtet werden, oftmals sich nicht gegen die Ausgangspunkte von Repression, Ausgrenzung, Diskriminierung und Perspektivenlosigkeit zu wehr setzen, sondern sich ihnen unterwerfen und anstatt dessen auf jene die für Selbstbestimmung, Gleichheit und Solidarität stehen losgehen oder auf Schwächere hinunter treten, sich im gelindesten Fall in politischer Scheinpraxis verirren oder im extremsten Fall, ihre Hass-Projektionen in Gewalt umsetzen. Wer gedemütigt wird hat gelernt andere zu demütigen. Das ist die übliche Erziehungsmethode vieler autoritärer Bewegungen und Institutionen, beispielhaft ist dies für Jihadisten genauso wie für Burschenschaften.

Wir müsse auch über den Täter-Opfer Diskurs sprechen. Wir dürfen die Täter von Paris nicht zu „armen unterdrückten Opfern“ machen, indem wir die Brutalität westlicher Interventionen im Nahen Osten oder die Brutalität der Regime Vorort als Kontrast dazu in „Ja, aber…“-Formulierungen aufzeigen. Wir müssen den Zusammenhang durchleuchten, aber dürfen nicht die Täter zu Opfern, und die Opfer zu Tätern dabei machen. Verstehen heißt nicht Verzeihen, schreibt Hanna Arendt.

Jeder Ermordete, ob Christ, Jude oder Muslime ist einer zu viel. Wer aber Opferzahlen hochrechnet, hat schon aufgegeben nach der Bedeutung von den Geschehnissen zu fragen und begibt sich in gefährlichen Relativismus – Als wären die Millionen Opfer des Kapitalismus (z. B. Hunger), des Nationalsozialismus, Stalinismus alle gleich. Wer nach den Quantitäten fragt, hat das Denken schon aufgegeben. Wir müssen auch darüber sprechen, dass andere Opfer geleugnet werden, nämlich jüdische – im jüdischen Supermarkt. Wieder einmal firmiert das Gedenken an sie unter Angehörige verschiedener Religionen und verschleiert den Hintergrund der Tat: Antisemitismus. Außerdem müssen wir, wenn wir schon von Zahlen sprechen, zeigen, dass die meisten Opfer von Jihadismus selbst Muslime sind. Die Opfer wiederum von antimuslimischen Rassismus sind meistens muslimische Frauen, während sich „ehrenhalber“ die RassistInnen als RetterInnen der Frauen gegenüber den muslimischen Männer inszenieren.

Mehr denn je zeigen die diversen Ausstiegs-Identitäten aus der Gesellschaft wie der Jihadismus in seiner militantesten Form, aber auch andere konservativ-fundamentalistische Formen, sowie der Rechtsextremismus und Neofaschismus auf, wie tot Gesellschaftliche Gegenorganisationen – also die Linke ist, wie mangelhaft die Theoretisierung von politischer Praxis, und wie praxisfern die Linke ist. Fragen von lokaler Verankerung, gemeinamen Zielen und dem Zusammenwirken von Verbänden jenseits von Gruppenstrukturen, die Organisierung von Übergängen zwischen Bewegungen, Parteien und Institutionen sind kaum präsent. Diese Ideologien des Ausstiegs haben eine ganz andere Utopie – tatsächlich eher angelehnt an den Ursprung des Begriffs – Die Zuflucht in einem „anderen Ort“ zu suchen, ganz fern der bestehenden Gesellschaft. Diese Ideologie ist ein Ort, der die Realität zur einer anderen Realität, voller Mythen und Projektionen konstruiert. Sie suchen das „echte“ Leben, die „wahre“ Natur, suchen eine ferne Insel, die eine Perspektive in der Perspektivenlosigkeit ist. Sie suchen eine Fahrkarte, ein Ticket. Doch diese Insel ist heute mehr denn je eine Chimäre, bloße Ideologie. Dem entgegen zu halten wäre, Utopie im Sinne einer anderen Zeit! Zukunft! Es gibt Zukunft! Sie ist nicht abgeschafft! Perspektive! >Anderswann< kann es besser werden, >Anderswo< bedeutet flucht! Man kann nicht mehr flüchten. Der Hinterste Hindukusch ist von dieser Gesellschaft durchdrungen. Wir müssen die ganze Gesellschaft ändern. Sas ist die Mission einer Linken die ihren Namen verdient hat. Wir müssen ankämpfen gegen die Erzählung der 90er Jahre, am „Ende der Geschichte“ durch die liberale Repräsentative Demokratie! (Fukuyama) zu sein, und noch mehr müssen wir gegen die Rhetorik der 2000er Jahre ankämpfen, dass es letztlich zu einem „Kampf der Kulturen“ (Huntington) kommt in dem Kulturkreise zu eine Gemeinschaft halluziniert werden und das Individuum abermals wegradiert wird.

Was ich nicht will, dass mir angetan wird, sollte ich anderen auch nicht antun. Menschen leben zu lassen und nicht die Hand an sie zu legen, ist eine Erkenntnis die jeder Mensch haben kann, egal wie verdummt uns die Gesellschaft gemacht hat. Wer Flüchtlingsheime anzündet oder JournalistInnen ermordert, egal wie groß die gesellschaftliche Mitverantwortung ist, ist Täter. Umgekehrt steckt in der Unmittelbarkeit darin, selbst keine Verletzungen erfahren zu wollen, das größte Potential für Gegenmobilisierung. Es ist eine politische Moral jenseits von Selbstverwirklichung-Gebrabel, Weltladen, Fairtrade, Bio-macht-schön, denn das sind wahrlich die Orte, wo die Politik zum Sterben hingeht. Wir können und dürfen als einzelne nicht die Verantwortung für alles Schlechte auf der Welt und die Verbesserung dessen auf uns abwälzen lassen. Noch weniger wird dies funktionieren, wenn wir uns der Ideologie der Eigenverantwortung hingeben, durch unser Konsumverhalten den Kapitalismus ein bisschen besser machen zu können. Das ist neoliberale Ideologie! Wir können nur die Verantwortung dafür übernehmen, wie wir mit anderen umgehen, ob wir eben für das Leben stehen und dafür kämpfen! Das heißt auch, ob wir uns Fragen der politischen Organisation stellen, der kollektiven Verantwortung! Wir müssen nicht nur Gegenorganisationen wieder aufbauen, sondern diese unter eine neue alte Erzählung stellen: Selbstbestimmung, Gleichheit, Solidarität! Es gibt die Zukunft wieder! Es gibt Hoffnung! Für das Leben! Alles andere bedeutet Barbarei!

Im Gedenken an die Opfer der Anschläge von Paris!


Notizen zur Einschätzung des europäischen Rechtsrucks

Deutschland entsendet eine Neo-Nazi-Partei (NPD) mit einem Mandat ins EU-Parlament. Das ist zwar irre, allerdings bedrohlicher sind die ganzen neofaschistischen, rechtsextremen usw. Parteien von AfD bis Front National. Insgesamt sollte man bei der extremen Rechten in Europa bewusst die Unterscheidung zwischen Nazis und Rechtsextremen machen, ohne dabei so zu tun als wären Rechtsextreme harmlos, quasi die Light-Version der Nazis. Die dominante Form ist heute eine Neue, mit vielen alten ideologischen Versatzstücken: Verdeckter Antisemitismus (manchmal auch noch immer offen) am Beispiel des Anti-Kosmopolitismus, Anti-Marxismus, neben dem eher neueren anti-muslimischen Rassismus. Alt ist auch die Täter-Opfer-Umkehr. Ihre Erzählung ist, sie sind die Opfer der EU, der Banken, der Ausländer, der Linken, der Medien, manchmal auch der Juden. Die Angst der Menschen sich zu ihrer eigenen Schwäche in der Gesellschaft zu bekennen endet darin, dass man auf die noch Schwächeren herunter tritt. Die scheinbare Solidarität zu den viel beschworenen „kleinen Leuten“, die Parteien wie die AfD symbolisieren, ist eine, die auf dieser Täter-Opfer-Umkehr aufbaut und sich von den Projektionen auf die angeblichen Täter nährt. Der neo-liberale Zeitgeist leistet seinen Beitrag, diese politischen Bewegungen alleine darauf zu reduzieren unterschätzt allerdings ihr Potential.

Es sind andere Zeiten, aber alte Muster. Die Gefahr, die davon ausgeht, kann man nur einschätzen wenn man beides untersucht, also in was für einer gesellschaftlichen Lage (ökonomisch und sozio-kulturell) wir uns befinden und wie Verachtung und Ressentiment in der modernen europäischen Gesellschaft funktionieren. Das heißt es reicht weder zu sagen, dass sind alles Nazis, noch zu sagen die sind eh harmlos, weil es sind ja eben keine Nazis, wie das gerne von liberaler und konservativer Seite gegen Linke ins Feld geführt wird um das Problem vom Tisch zu wischen. Wer das tut unterschätzt die Lage in der wir uns befinden und bietet damit diesen Kräften ein politisches Einfallstor.

Realität in Europa war aber auch schon vor der Wahl, dass Roma und Sinti verfolgt und diskriminiert werde, sei es offen auf der Straße wie am Balkan und in Ungarn, sei es durch Deportation aus Frankreich, sei es durch Verdrängung aus dem öffentlichen Raum wie in Österreich (zum Beispiel die Bettelverbote treffen meistens Roma). Realität ist auch, dass durch die Dynamik rechtsextremer in Kombination mit neo-liberaler Ideologie, der Binnenmarkt der EU eine Mauer bekam und diese verbal durch Rassismus und real durch „Grenzschutz“ wie es euphemistisch gerne heißt, immer höher aufgerüstet wird, und dabei das Mittelmeer in ein Massengrab verwandelt.

Die antisemitischen Anschläge in Brüssel aber auch vor nicht all zu langer Zeit die Anschläge von Anders Breivik in Norwegen, die unzähligen Schmierereien von Rechtsextremisten und Neo-Nazi, zum Beispiel am KZ-Mauthausen, sind viele Anzeichen dafür dass es in Europa schon länger brodelt. Das sogenannte Erdbeben in Frankreich, erschüttert die Gemüter, wieder einmal wenn es um den allgemeinen Rechtstrend geht, das Epizentrum liegt aber tiefer. Dieses Epizentrum ist die politische Grundverfassung dieses Kontinents, denn die Union ist ein Projekt der Eliten geblieben, die nach Mauerfall und Ende des Kalten Krieges sich am Ende der Geschichte wähnten und ein „anything goes“ als Fanfare bliesen. Liberal war Europa höchstens auf dem Papier.  Darüber hinaus, seine vielerorts unaufgearbeitete Geschichte, vom verklärten Francismus in Spanien oder dem Faschismus Italien, Portugal, der französischen Verstrickung mit dem Nationalsozialismus, die vielen osteuropäischen Schergen der Nazis von der Ukraine bis zur kroatischen Ustasha, die Militärdiktaturen in Griechenland und der Türkei.

All das wird zusätzlich genährt von dem Bild nicht  nur unbedeutend innerhalb der Union zu sein sondern in der ganzen Welt. Europas regierenden und BürgerInnen sind getrieben von individuellen Abstiegsängsten und historisch vielschichtigen nationalen Minderwertigkeitskomplexen. Heuer vor 100 Jahren war der Beginn vom Ende der imperialen Vormachtstellung europäischer Staaten. 1945 lag Europa in Schutt und Asche, Jüdinnen und Juden und viele andere verfolgt und vernichtet, die kritische europäische Intelligenz ermordet oder vertrieben. Gleichzeitig war damit die Vormachtstellung der einzelnen Nationalstaaten in der Welt gebrochen.  Davor, wie danach wird der Mythos des Opfers der EuropäerInnen genährt. In Frankreich kämpft man mühevoll für das Französisch als Weltsprache, derer man sich beraubt fühlt, während sich die Deutschen  im Kalten Krieg von Soviets und Amerikanern besetzt fühlten. Die europäischen Eliten bedienen sich dieses Mythos in dem sie sich auf die Union berufen um in neuer Stärke auf die Weltbühne treten zu können, während Europas extreme Rechte die Abstiegsängste der Menschen und ihre Projektionen bedienen.

Das Friedensprojekt Europa, wenn es denn nicht selbst Mythos ist, war zumindest immer zweischneidig. Es war durch die Berufung auf die Abwendung von Unheil die einzige Antwort auf die europäischer Geschichte. Die  nationalen Kräfte haben sich jedoch aufgespalten, weil die einen, also Konservative und Liberale, das Heil für die Nation in der Union sahen in der Sehnsucht nach alter Stärke, sehen heute noch immer die anderen in der Union ihren Untergang. Die Ironie ist, dass die hegemoniale Debatte in diesem Koordinatensystem verläuft und sich alle darin einfügen müssen. In Medien spalten sich alle Meinungen nach Pro-Europäischen und Europa-feindlichen Positionen auf. Die soziale Frage, das Menschenbild ist irrelevant. So gut wie alle klassischen politischen Denkrichtungen und Parteienformationen sind in in dieser Frage gespalten:  UMP (Frankreich) und Torries oder auch auf der Linken Seite, ganz lokal gesprochen zwischen KPÖ Steiermark und Europa Anders.  Anstatt die Union als  historisch-objektives Faktum, dass es längst schon ist, als politische Realität anzunehmen, wird an diesen Linien verhandelt. Solange linke Kräfte die Debatte nicht zu dem verschieben, worum es wirklich ginge, nämlich um die soziale Frage, wird sich an dieser Achse nur das Kräfteverhältnis zwischen europäischen Eliten und der extremen Rechten verschieben. Und das kann niemand wollen, der klar bei Verstand ist.


Ein Rechter kommt selten alleine

Mario Eustacchio, „Sicherheits“-Stadtrat und selbsternannter Sheriff der Stadt Graz mit höchstpersönlicher Erlaubnis von SPÖ und Nagl-ÖVP, lässt sich gelegentlich bei linken Veranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus blicken. Und auch diesen Montag bereitete er uns das (Un-)Vergnügen, gemeinsam mit seinem Burschenschafteranhang, denn ein Rechter kommt selten alleine.   Den Rest des Beitrags lesen »


Vortrag: Großdeutsche Träumereien: Burschenschaftliche Geschichte und Ideologie in Österreich – Mo. 20.1.2014; 18:30, KF Uni Graz

Datum: Montag 20. Jänner 2014
Zeit: 18:30
Ort: Heizhaus, HS 12.01 Karl Franzens Universität, Universitätsstraße 2-4

Vortrag und Diskussion mit Bernhard Weidinger Den Rest des Beitrags lesen »


Offener Brief an den Grünen Gemeinderatsklub Graz zur Konstitutierung des Gemeinderats und er Wahl der Vizerbürgermeisterin

Offener Brief:

Liebe Grüne Gemeinderätinnen und Gemeinderäte! Liebe Freundinnen und Freunde!

Fest steht die Grazer SPÖ ist nach der Wahl eine Koalition mit der FPÖ und er ÖVP eingegangen. Ein wesentlicher Grund warum ich das thematisiere: Die FPÖ versucht schon seit Jahren machtpolitisch eine Legitimationsbasis ihrer rechtsextremen Politik zu schaffen. Und tatsächlich ist es der Strache-FPÖ erstmals in der 2. größten Stadt Österreichs gelungen eine Koalition mit der SPÖ zu schaffen. Das hat bundespolitisch Bedeutung.
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