Solidarität mit Volker Beck – Gegen die Scheinheiligkeit

Was geht  es uns an, was der deutsche Grüne Volker Beck privat konsumiert und dabei niemanden einen Schaden zufügt. Jemand, der für die Liberalisierung von Drogen steht, hat oh wunder einmal Drogen konsumiert (oder sogar nur mit sich geführt). Nicht, dass man das abfeiern sollte, aber doch etwas beruhigter sehen, denn alles andere ist Scheinheiligkeit.
Festgestellt wird vorab, Drogenprohibition richtet mehr Schaden an als Gutes. Das wissen wir schon länger. Das wissen auch konservative PolitikerInnen. Die UNO weiß es, ExpertInnen wissen es, einige der US-PräsidentschaftskandidatInnen wissen es.
Menschen werden kriminalisiert, während man in Deutschland & Österreich & anderswo als Politiker alkoholisiert herum fahren konnte und kann, ohne, dass das jemals große Konsequenzen hätte. Jörg Haiders Alkofahrt mit Todesfolge hatte mehr obszöne Trauer für diesen Rassisten und Antisemiten zur Folge, als dass man sich gefragt hätte, welche anderen VerkehrsteilnehmerInnen er sonst gefährden hätte können. Alkoholisiert zu sein ist ein Kavaliersdelikt. Es scheint sogar so, man kann manchenorts AlkolenkerIn & VerkehrsministerIn gleichzeitig sein.

Die Debatte ist scheinheilig.

Volker Beck

Erstens, sieht man sich den Alkoholkonsum, die Bierzeltreden und ähnliches von PolitikerInnen an, dann ist die Kritik an Volker Beck scheinheilig.
Zweitens, sieht man sich die Arbeitsstrapazen und das Tempo auf den Topebenen in Kultur, Kunst, Wirtschaft und Politik an, ist die Vermutung nicht von der Hand weisen, dass hier insgesamt entsprechende Drogen am Werk sind. Von Popstars kennen wir ja das, PolitikerInnen passen hier für gewöhnlich besser auf. Im Showbusiness gehört das Highlife und dann die Reue darüber geradezu zur (Selbst-)Inszenierung dazu. In der Politik ist das anders. Volker Beck hat nicht aufgepasst. Das war dumm, und er hätte es besser wissen müssen.
Das ist der Zynismus und die Biederkeit am konservativen Normenverständnis. Solange es nicht sichtbar wird, interessiert es niemanden. Wird es aufgedeckt, ist es ein großer Skandal und man beginnt die Politik eines Menschen vor dem Skandal in diesem Lich zu diskutieren. Hinzu kommt der Zynismus der Medien die Serien wie Narcos oder Breaking Bad abfeiern, aber in angeblich 0,6 Gramm den Skandal des Jahrhundert wittern.
Wer fordert, dass PolitikerInnen zurechnungsfähig sein sollen, der fordert richtig. Es ist aber geradezu umgekehrt so, damit man von „klaren Köpfen“ in der Politik sprechen kann, dann wenn sie in dem Dauertempo ausdauernd und sportlich sind. Viele dürften das mit Drogen ausgleichen. Und wer klare Köpfe will, sollte sich zu aller erst zum Beispiel einmal die Kantinen der Landtagsabgeordneten in Österreich anschauen. Da weht einem schon die Fahne um 9 Uhr morgens entgegen. Wieder so ein Punkt in Sachen

Licht ins Dunkle: Vernünftige und selbstverantwortliche Drogenpolitik.

Es wird Zeit, dass der Drogenkonsum insgesamt entkriminalisiert und Cannabis legalisiert wird. Das Strafrecht anzuwenden ist Nonsens. Es wird Zeit für weniger Hysterie und einen aufgeklärten und selbstbestimmten Umgang mit Drogen. Drogenkonsum ist schlichtweg Realität, normal. Es wird Zeit Licht ins Dunkle zu holen um Probleme abarbeiten zu können und Aufklärung betreiben zu können. Die Drogenprohibition ist daher kontraproduktiv, gegen Aufklärung, verschiebt Drogen ins Dunkle, erzeugt mehr Kriminalität und Tote und bestraft KonsumentInnen sinnlos und hilft niemanden. Drogenprobition führt zu zwei Polen in der Politik: Denjenigen die noch drakonischere Strafen einführen wollen und jenen die glauben Drogen sind quer durch die Bank auf alle fälle super unproblematisch und geil, weil ihnen die Aufklärung fehlt. Ich wiederhole: Prohibition behindert Aufklärung und einen selbstbestimmten Umgang mit Rausch.

Gesetzestreue: Ja, aber welche? 

Gesetzestreue ist ein wichtiges Stichwort in der Politik. Vielleicht sollte man aber mal einmal die Augen auf den korrupten Parteiensumpf – ob legal oder illegal-, auf Waffenlieferungen, auf den Drogenkrieg, Lobbyismus und all die dubiosen Praktiken der österreichischen, deutschen und europäischen Politik insgesamt werfen und nicht auf Menschen, die sich möglicherweise, und nicht einmal das ist beim Drogenkonsum immer klar, selbst schaden und sonst niemanden.
Die WählerInnen sollen entscheiden ob sie sich gut von Menschen wie Volker Beck vertreten fühlen und für sie dieser Mensch einen „klaren Kopf“ hat oder nicht. Klare Köpfe in der Politik sind umgekehrt ja eher rar gesät, sieht man sich die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) an, die namens des Innenministeriums mit einer Variation des Corporate Designs der FPÖ, Abschreckwerbung gegen Flüchtlinge macht. Und wegen Schießbefehl-Sagern, Schweinefleischpflicht-Nonsens muss man anscheinend auch nicht zurücktreten. So sieht Demokratie offensichtlich im 21. Jahrhundert aus.
Volker Beck ist ein wichtiger Vorkämpfer gegen Antisemitismus und Homophobie in der deutschen Politik. Und hat diesbezüglich immer klare Worte gefunden. Schade, dass er deswegen gehen muss. Man kann diese Sache auch anders klären: Mit Klarheit, Offenheit und Ehrlichkeit. Niemandem ist mit so einem Rückzug geholfen.
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4 Kommentare on “Solidarität mit Volker Beck – Gegen die Scheinheiligkeit”

  1. Johannes sagt:

    Guter Kommentar!

  2. Peter Strauß sagt:

    Aaaaaaaalso:
    Ich bin ja auch für die Legalisierung von weichen Drogen. Meth gehört aber definitiv nicht in diese Kategorie. Auch der Vergleich mit Alkohol ist genau deswegen ziemlich dumm.
    Der Scheiß birgt ein enormes Suchtpotential und der Konsum von Meth hat auch eine persönlichkeitsverändernde Wirkung. Jeder der Beck gewählt hat, darf sich deshalb auch zu Recht um seine Stimme betrogen fühlen.
    0,6g sind auch nicht so wenig wie es sich anhört. Es ist nicht unbedingt mit Gras vergleichbar. Der Wert dafür beträgt immerhin ca. 60€ und der Mist ist gemessen an der Wirkung verdammt billig.

    Hier ein paar „Verbrauchsdaten“ in der klinischen Anwendung:

    Oral Methamphetamine Dosages
    Threshold 5 mg
    Light Stimulation 5-15 mg
    Common 10-30 mg
    Strong (some rushing) 20-60 mg
    Very Strong (or with tolerance) 40-150 mg
    Note: doses for street meth or frequent use may be higher (see above)

    Onset : 20 – 70 minutes (depending on form and stomach contents)
    Duration : 3 – 5 hours
    Coming Down : 2 – 6 hours
    Normal After Effects : up to 24 hours

    Insufflated (Snorted) Methamphetamine Dosages
    Threshold 5 mg
    Light Stimulation 5-15 mg
    Common 10-40 mg
    Strong (some rushing) 30-60 mg
    Very Strong 50 + mg
    Note: doses for street meth or frequent use may be higher (see above)

    Onset : 5 – 10 minutes
    Duration : 2 – 4 hours
    Coming Down : 2 – 6 hours
    Normal After Effects : up to 24 hours

    Smoked/Vaporized Methamphetamine Dosages
    Threshold 5 – 10 mg
    Light Stimulation 10 – 20 mg
    Common 10 – 40 mg
    Strong (some rushing) 30- 60 mg
    Very Strong (rushing) 50 + mg
    Note: doses for street meth or frequent use may be higher (see above)

    Onset : 0 – 2 minutes
    Duration : 1 – 3 hours
    Coming Down : 2 – 4 hours
    Normal After Effects : up to 24 hours

    Note: IV users of meth are usually seeking stronger effects than those who use it to treat ADD/ADHD or as a way to stay awake and alert.

    Injected (IV) Methamphetamine Dosages
    Threshold 5 mg
    Light Stimulation 5- 10 mg
    Common Stimulant Dose 10- 40 mg
    Strong (rushing) 30- 60 mg
    Very Strong (strong rushing, intense euphoria) 50- 100 mg
    Note: doses for street meth or frequent use are generally higher (see above)

    Onset : 0 – 2 minutes
    Duration : 4 – 8 hours
    Coming Down : 2 – 4 hours
    Normal After Effects : up to 24 hours

    Aber BTT:
    Die Häme, die jetzt über Beck hereinbricht, hat er sich hart erabeitet und redlich verdient. Wer als Alleinvertreter der universellen Wahrheit auftritt, alle anderen Menschen an seinen eigenen Wertvortstellungen misst und entsprechend in Schubladen kategorisiert, tut gut daran sich an seine eigenen Maßstäbe zu halten. Ansonsten braucht man sich nicht wundern, wenn man selbst in einer entspechenden Schublade landet.

    Gruß
    Peter


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