Hymne: Der nationalistische Dachschaden und die Töchter

Was für einen nationalistischen Dachschaden einige Menschen haben, zeigt mal wieder diese Hymnendebatte um die Töchter darin, die noch vor kurzem Abgehackt schien. Ich hab mir ja zuerst anfangs gedacht, sprachliche Zuspitzung feministischer Politik ist wohl nicht der Weisheit letzter Schluss und dann kommt noch dazu, dass es sich nicht gerade um eine Auseinandersetzung mit einem eher progressiven Text, handelt, insofern ja eine Hymne nationale Identität fördern soll. Und Gemeinschaftsidentitäten wie Nationalismen kommen ja mit Individualität permanent in Konflikt. Manchmal gewalttätig. Und es ist auch nicht die Form von sozialer Organisation die Linke meinen, zumal diese Form eben das Individuum als solches in den extremsten Formen sogar abschafft. Dann gibt es nur mehr das Volk und sonst nichts. Zudem bin ich keine begeisterter Fan von Sprachform-Diskussionen egal ob das Rassismus, Homophobie oder sonstwas angeht. Das heißt nicht, dass ich nicht selbst diese Diskussionen gelegentlich führe und für an sich richtig halte, aber auch wenn Sprache Bewusstsein schaffen kann, vergessen die meisten dann doch, dass Sprache selbst teil der sozialen Frage ist und den Status der SprecherInnen nicht hinterfragen. Sprache ist auch ein mittel sozialer Distinktion. Das heißt der Grat ist schmal zwischen symbolischer Anerkennung und Besserwisserei. Zumal ich auch schon die Erfahrung gemacht habe, dass hinter der korrekten Fassade, derer die sich von jenen inkorrekten unterscheiden, die selben Vorurteile stecken.

Weil aber sprachlicher Ausdruck auch Taten auslösen kann, wenn man es nur oft genug sagt ist dieser sicher nicht zu ignorieren und jene die der Meinung sind „habt ihr nichts besseres zu tun“ unterschätzen das sexistische, nationalistische und anderweitig Menschen verachtende Mobilisierungspotential der Sprache jener die sich immerzu verfolgt fühlen von der sogenannten „Sprachpolizei“. (Unter politischen VerteterInnen, übrigens meisten weiße heterosexuelle Männer, die Parteigänger von FPÖ und ÖVP sind). Das sind diejenigen, die sich in verschiedensten Varietäten immerzu als Opfer inszenieren, Stichwort: „die neuen Juden“ (Strache) und in Wirklichkeit Täter sind und diejenigen in den Bann ziehen, die anstatt ihre eigene Schwäche anzuerkennen und sich mit anderen zu solidarisieren um gesellschaftlich Stärke zu gewinnen, lieber auf gesellschaftlich noch schwächere heruntertreten und damit selber zu Tätern werden. Was für Aggressionen da immer wieder geweckt werden ist schon sehr bedrückend, wenn man sich ansieht wie Heinisch-Hosek mit einem unglaublichen sexistischen Shitstorm angeriffen wird. Es zeigt auch wie Sexismus und Nationalismus verstrickt sind. Nämlich nicht wie man vordergründig annehmen könnte, dadurch dass die Grünen darauf pochen, dass Frauen Teil der Bundeshymne sind, sondern wie manche Ideologien damit arbeiten, dass zum Erhalt der Nation eine bestimmte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau erforderlich ist. Die Idee, das Frauen teil einer wahrnehmbaren Öffentlichkeit sind und Geschichte haben, wirft deren Konzept von Nation über Bord. Der Punkt bei Ideologie ist ja nicht, dass alle sie bewusst betreiben, sondern das bloß viele ihr folgen, „weil es immer schon so war“. „Sie wissen das nicht, aber sie tun es“ sagte schon Marx.

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